Glattleder pflegt jeder. Aber Wildleder, Velours und Nubuk? Da scheitern die meisten — und ruinieren sich ihre Lieblingsschuhe schon beim ersten richtigen Regen. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie Sie jede der drei Lederarten richtig behandeln.
Erst mal: Was ist der Unterschied?
- Wildleder stammt von der Innenseite (Fleischseite) der Haut und ist fein-faserig, weich, leicht zottig.
- Veloursleder ist faktisch dasselbe — die Begriffe werden oft synonym verwendet. „Velours“ ist eher der Werbe-Begriff.
- Nubuk kommt von der Außenseite (Narbenseite), wird angeschliffen, daher die feinere, gleichmäßigere Oberfläche. Edler, robuster, teurer.
Die Pflege ist für alle drei sehr ähnlich — mit kleinen Unterschieden bei der Bürste.
Vor dem ersten Tragen: Imprägnieren
Das ist die wichtigste Regel — und die meisten vergessen sie. Neue Wildlederschuhe nie ohne Imprägnier-Spray tragen. Zwei Lagen mit 15 Minuten Abstand, dann 24 Stunden trocknen lassen.
Wichtig: spezielles Spray für Rauleder nehmen — die Glattleder-Pflegen verkleben die Fasern und ruinieren die Optik. Wir führen passende Sprays von Collonil und Solitaire in unseren Filialen.
Regelmäßig: Trockenpflege mit der Bürste
Nach jedem Tragen (oder mindestens 1× pro Woche) den Schuh mit einer Krepp- oder Messingbürste in alle Richtungen aufbürsten. Das hebt die Fasern wieder auf und entfernt Staub.
Bei Nubuk reicht meist eine weichere Bürste — das Material ist feiner. Bei groberem Wildleder darf die Messingbürste zur Sache gehen.
Flecken raus: Schritt für Schritt
Trocken-Flecken (Erde, Sand)
Trocknen lassen, dann ausbürsten. Niemals mit feuchtem Tuch reiben — das massiert die Erde nur tiefer in die Faser.
Nasse Flecken / Wasserränder
Den gesamten Schuh leicht anfeuchten — sonst bleibt der Wasserrand zwischen feuchtem und trockenem Bereich sichtbar. Anschließend in Form trocknen lassen, danach aufbürsten.
Fett- oder Ölflecken
Sofort mit Babypuder oder Speisestärke abdecken — über Nacht einziehen lassen, dann ausbürsten. Wenn das nicht reicht, gibt es spezielle Fleckenradierer für Wildleder.
Salzränder (Winterklassiker an der Nordsee)
Lauwarmes Wasser mit einem Schuss Essig (1:10), Lappen leicht anfeuchten, vorsichtig dem Wasserrand entlang nachfahren. Danach gleichmäßig anfeuchten wie bei Nasse-Flecken. Mehr dazu im Artikel Winter an der Nordsee.
Farbe auffrischen
Wenn der Schuh nach ein paar Saisons blass wirkt, hilft Wildleder-Farbspray. Sparsam aufsprühen, einziehen lassen, ausbürsten. Aber Achtung: nur in der Original-Farbe, sonst wird’s bunt.
Die 5 Todsünden
- Wildleder mit Schuhcreme bearbeiten (verklebt die Fasern, ruiniert die Optik).
- In der Waschmaschine waschen.
- Auf die Heizung stellen — der Schuh wird hart und verliert die Form. Stattdessen mit Zeitungspapier ausstopfen und an der Luft trocknen. Mehr zur Lederpflege allgemein.
- Mit Föhn trocknen — gleiche Folge wie Heizung.
- Nasse Schuhe ohne Schuhspanner trocknen lassen — verliert die Form.
Pflege-Set: Was brauchen Sie?
Für den Anfang reichen vier Sachen:
- Imprägnier-Spray für Rauleder (ca. 10–15 €)
- Krepp- oder Messingbürste (ca. 5–10 €)
- Fleckenradierer (ca. 5 €)
- Holz-Schuhspanner (ca. 10–20 € pro Paar — eine Investition für Jahrzehnte)
Bringen Sie Ihre Wildlederschuhe gerne mal mit in die Filiale — wir zeigen Ihnen die Pflege live am Objekt und stellen das passende Pflege-Set zusammen.
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